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Reifenhaftung

Reifenhaftung ist wunderbar! Sie verhindert, dass du von der Straße abkommst, erlaubt dir zu beschleunigen, Kurven zu fahren und auch für das Abbremsen brauchst du sie. Diese Anhangskraft hat jedoch eine Grenze und genau diese ist die Grenze für dein Fahrzeug. Um dein Fahrzeug in diesem Grenzbereich zu bewegen, brauchst du darüber ein Grundverständnis. Als erstes denken wir mal über die Auflagefläche des Reifens nach. Das ist die Fläche, die tatsächlich zu jeder Zeit beim Fahren in Kontakt mit dem Untergrund ist.

Auflagefläche

Die Auflagefläche

Dieser kleine Bereich kann natürlich nur eine begrenzte Menge an Kraft übertragen. Um die Zusammenhänge besser zu erklären, teilen wir diese Kräfte zwischen Brems- und Beschleunigungskraft (longitudinal) und Seitenführungskraft (lateral) auf. Longitudinale Haftung wird beim Bremsen und Beschleunigen aufgebraucht und die laterale Haftung beim Lenken und Durchfahren einer Kurve.

Darstellung der Kontaktfläche mit a.) der longitudinalen und b.) der lateralen Kraft.

Und nun das Wichtigste: Wenn du den kompletten Grip in einer Übertragungsrichtung aufgebraucht hast, dann kannst du in der anderen Richtung keine Kraft mehr aufbauen (z.B. lenken).

Kombination der lateralen und longitudinalen Kräfte

Am Anfang deiner Karriere als schneller Fahrer ist es vernünftig erst einmal die am meisten Grip fordernden Kräfte separat zu verwenden. Wenn du zum Beispiel stark beschleunigen oder kräftig auf einem geraden Stück bremsen möchtest, versuche das Lenken auf ein Minimum zu reduzieren. Wenn du das für eine Kurve anwenden willst, bremse sehr stark solange du noch geradeaus fährst. Dann löse die Bremse vollständig, bevor du in die Kurve einlenkst (siehe Grafik). Wenn du das so durchführst, hast du die wenigsten Probleme mit dem Grip der Reifen und gibst dir einen Puffer Reserve für den Fall, dass etwas schiefgeht.

Separates Bremsen und Lenken zum Reduzieren der Grip Anforderung

Professionelle Fahrer werden versuchen die Kräfte gleichzeitig in beiden Richtungen zu kombinieren, um das letzte Quäntchen des Möglichen zu erreichen. Wenn du die Beschleunigungskräfte und die Seitenführungskräfte gleichzeitig nutzt nennt man „trail braking“ und es fordert sehr viel von deinen Reifen und natürlich auch von dir. Die nächste Grafik zeigt wie sich diese Kräfte addieren und die gesamte Anforderung für deine Reifen darstellen. In diesem Beispiel hat der Fahrer die Grenzen falsch eingeschätzt und rutscht damit unkontrolliert (üblicher Fahrfehler).

Kombination von Bremsen und Lenken („trail braking“)

Gute Fahrer wissen die Balance der Kräfte zu halten, besonders beim Fahren einer Kurve, beim Beschleunigen und beim scharfen Bremsen. Fährt man am Rande des Möglichen, also am Limit, ist es notwendig so weich wie möglich zu fahren. Es kann dir sonst schnell passieren, dass ein harter Gangwechsel die letzten Grip Reserven aufbraucht und du in Richtung Reifenstapel unterwegs bist.

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Gewichtsverlagerung und Grip

So wie das normale Leben nicht immer so einfach ist wie es aussieht, ist es auch mit dem Grip. Es wird dich vielleicht überraschen und du musst lernen, dass die maximal möglichen Kräfte nicht einen festen Wert haben, sondern von vielen Faktoren abhängen. Einer dieser Faktoren ist die Höhe des Gewichts auf den Reifen zu einem Zeitpunkt. Sobald du die Höhe des Gewichts auf die Kontaktfläche des Reifens verringerst, wirst du auch gleichzeitig weniger Kraft übertragen können und natürlich auch umgekehrt. Wenn du stark beschleunigst, wirst du an den Vorderrädern weniger Haftung haben und beim Bremsen entsprechend mehr. Das liegt an der Gewichtsverlagerung durch die Beschleunigungs-, Flieh- und Bremskräfte. Das nachfolgende Foto zeigt eine ordentliche Gewichtsverlagerung zur Seite. Es ist gut sichtbar, dass das kurveninnere Hinterrad in der Luft ist und somit nichts zum Grip beiträgt. Es wird einen separaten Artikel über diese Gewichtsverlagerungen geben und wie die Traktion durch den Fahrer beeinflusst wird.

Vorderradantrieb mit Motor vorn und harter Kurvenfahrt

Traktionsmaximierung

Die beste Möglichkeit die Haftung deines Autos zu maximieren, ist es einen weichen Fahrstil zu fahren. Die Art des Gangwechsels und der Gebrauch von Gas, Bremse und Lenkung können die Höhe der zur Verfügung stehenden Traktion beeinflussen. Die besten Rennfahrer sind in aller Regel auch die, die am flüssigsten fahren. Diese Regel gilt gleichermaßen für alle Fahrdisziplinen, egal ob auf der Rundstrecke oder im Gelände oder einem Slalomparcour gefahren wird.

Grip erhöhen

Grip kann auf verschiedenen Arten erhöht werden. Alle sind relativ einfach durchzuführen. Man kann die Aerodynamik ändern, um bei hoher Geschwindigkeit Kräfte zu erzeugen. Spoiler erzeugen Abtriebskräfte und Splitter verhindern Auftriebskräfte zu deinem Vorteil. Aber sei vor billigen Spoilern und Anbauteilen gewarnt. Diese sind meistens nur für die Optik gebaut und können die Aerodynamik sogar verschlechtern. Wenn du Ausschau nach diesen Anbauteilen hältst, achte auf eine stabile Befestigung an deinem Fahrzeug. Manchmal ist es notwendig die Struktur (Bleche oder Ähnliches) zu verstärken. Des Weiteren ist eine Erhöhung der Haftung durch eine sorgfältige Auswahl der richtigen Gummis erreichbar. Weichere Reifen geben dir meistens eine bessere Haftung auf Rennstrecken, jedoch ist der Abrieb bei dieser Art Reifen auch am höchsten und der Reifen muss früher ausgetauscht werden. Es ist ja wie auch sonst immer im Leben – man muss den richtigen Kompromiss finden.

Grip und Untergründe

Der letzte Punkt, den es zu beachten gilt ist, dass deine Reifen immer nur die Hälfte der Traktion liefern. Die andere Hälfte stammt vom jeweiligen Untergrund. Eine trockene Fahrbahn gibt dir natürlich dramatisch mehr Haftung als eine Nasse. Der Grip variiert auch stark durch die Beschaffenheit des Untergrunds. Stelle immer sicher, dass dein Fahrstil zu der Beschaffenheit des Untergrunds und dem Wetter passt, passe deine Fahrweise bei einem Wechsel der Bedingungen entsprechend an. Sei verständig und suche Ratschläge von erfahrenen Fahrern, bevor du auf unbekanntem Terrain das erste Mal unterwegs bist. Man muss sich erst an die Bedingungen und den Kurvenverlauf, sowie die Kuppen und Senken gewöhnen und kann sich dann vorsichtig höheren Geschwindigkeiten nähern.


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